#Frauentag
Mit achtzehn wurde ich Opfer einer Sexualstraftat. Der Täter war ein mir unbekannter Mann.
Ich erstattete Anzeige, informierte Familie, Freunde und Kollegen und begann eine Psychotherapie im katholischen St.-Joseph-Krankenhaus. Für mich war das selbstverständlich. ar ich zwar Opfer geworden – aber nicht wehrlos.
Der Täter wurde gefasst, aber nicht bestraft. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, er leide an einer psychischen Erkrankung.
Im Krankenhaus allerdings maßregelte mich die behandelnde Oberärztin.
Der Grund: Ich rauchte Pfeife.
Bei uns in den Kirchenkreisen nannte man das die Friedenspfeife.
Frau Oberärztin sagte:
„Wenn Frauen Pfeife rauchen, wollen sie nur auffallen. Wenn Sie schon rauchen müssen, rauchen Sie bitte das, was alle rauchen.“
Frau Oberärztin war alleinstehend und hatte ein Pferd.
Was ich damit sagen will:
Institutionelle Machtausübung geht nicht nur von Männern aus. Sie ist ein Instrument derer, deren Selbstwertgefühl der Aufwertung durch Abwertung anderer bedarf. Männer und Frauen unterscheiden sich hier kaum.
Ich möchte außerdem ermutigen.
Das Rezept der Unabhängigkeit besteht aus drei Zutaten:
Freiheit im Geist, die fehlende Angst anzuecken und die fröhliche Bereitschaft, sich Gegenwind entgegenzustellen, wenn es nötig ist.
Ich gendere nicht. Erstens leidet darunter die Schönheit der Sprache. Und zweitens ersetzt formalistischer Schutz keine fröhliche Selbstermächtigung und keine Erwerbseinkommensgleichheit.
In diesem Sinne wünsche ich allen Frauen eine gehörige Portion vom Geist der Pippi Langstrumpf.
P.S. Das Foto zeigt mich mit 18 in den rumänischen Bergen – mit der Friedenspfeife.